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Hörbuch Release Party von Doris Lautenbach

14. February 2016 | von | Kategorie: Blog

 Das Michelberger Hotel mit seinem Whiskey Room ist mit Sicherheit der allerschönste Ort, den ich mir für meine Release Party vorstellen kann.

Kommt vorbei und lasst uns feiern!

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Mehr zu meinem neuen Hörbuch gibt’s hier.

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Gelesen und gegessen im Café Morgenstern

7. December 2012 | von | Kategorie: Blog

Zum Glück gab es im Café Morgenstern sogar Lebkuchen und Schusterjungs!
Sehr schön war’s.

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Schäfchen zählen war Gestern

4. March 2012 | von | Kategorie: Blog


Auf der Suche nach dem Frühling ist unser Kapitalistenschaf momentan kaum zu erreichen. Ständig wandert es durch die Gärten der Stadt und hofft, den Frühling an seinem blauen Band zu erwischen, festzuhalten und zum dauerhaften Bleiben zu überreden. Abends fällt es dann erschöpft in einen traumlosen Tiefschlaf.

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Ich war`s nicht!

8. January 2012 | von | Kategorie: Blog

 

Nachricht auf der Mailbox.

Unser Kapitalistenschaf möchte ganz dringend eine Sache klarstellen. Es befindet sich momentan ja immer noch in seinem Winterurlaub auf Amrum und hat nun Angst, die Berliner könnten es mit seinem gelockten Kollegen aus Northamptonshire verwechseln.

Zugegeben, die Ähnlichkeit der beiden ist wahrlich verblüffend.

Der englische Schafsbock, von der dortigen Presse Randy genannt (unser Schaf hat gleich im Wörterbuch nachgeschlagen und herausgefunden, dass das soviel wie „geil“ bedeutet), war in die Schlagzeilen geraten, als er auf dem Weg zur Schlachtbank seinen Mördern in letzter Minute entkommen konnte.

Auf seiner Flucht geriet Randy in eine Herde weiblicher Schafe und tauchte dort zunächst unter. Vaterschaftstests haben jetzt ergeben, dass er seinen Aufenthalt dort sinnvoll nutzte: Randy ist nun Papa von 30 Lämmern. Und glücklicherweise will ihn  niemand mehr schlachten.

Unser Kapitalistenschaf betont außerdem, dass es seinen Winteraufenthalt auf Amrum selbstverständlich aus eigener Tasche bezahlt. Wohlhabende und väterliche Freunde haben damit nichts zu tun.

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Vorfreude

9. December 2011 | von | Kategorie: Blog

Das Schaf platzt fast vor lauter Vorfreude. Zu Weihnachten ist es im Stall, wie jedes Jahr, und freut sich tierisch auf das Wiedersehen mit seinen guten Kumpels.
Silvester verreist es nach Ostfriesland, dort genießt es die Ruhe und das Salz.
Und dann, im Januar 2012, begleitet es die Unerhörten in den Friedenauer Waschsalon und freut sich auf die sauberste Lesung aller Zeiten. Zwischen Waschpulvern und Weichspülern will es sich ganz gemütlich und kuschelig im Warmen was unerhörtes vorlesen lassen.
Vor lauter Ungeduld besucht unser Kapitalistenschaf aber jetzt schon bei jeder Gelegenheit den wunderbaren Waschsalon in der Rheinstr 62 und genießt dort die besondere Athmosphäre.

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Ausnahmsweise Lyrik

18. November 2011 | von | Kategorie: Blog

Weil’s so herrlich herbstlich ist und der November uns allen so wunderbar das Gemüt vernebelt, lade ich erstmals hier bei den Unerhörten ein, eine kleine Portion Lyrik zu genießen.

Der Himmel schwitzt die Krähe klaut
die Kirchenglocken läuten.
Der Baum schläft ein die Taube stirbt
die letzten Spinnen singen.

Und weil’s so schnell ging, hier gleich noch eine kleine Portion Nachschlag:

Der Nebel ist hier
wer holt ihn ab
packt ihn in Taschen und Tüten
und schleppt ihn auf’s Land
auf’s Land?
Der Nebel ist hier
der Nebel.

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Freiheit ist immer…

15. November 2011 | von | Kategorie: Leseproben

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In der zehnten Klasse rauchten wir auf dem Schulhof schon vor Beginn des Unterrichts die erste Zigarette. Sie schmeckte zwar wie Dachpappe, und die Zunge fühlte sich an wie ein staubiger Aschenbecher. Doch was tat man nicht alles, um in der coolen Gang zu bestehen.

Auch an diesem Dezembertag 1987 sah ich schon von weitem ein Gemisch aus Qualm und warmer Atemluft aus den Mündern meiner Freunde aufsteigen. Tessi, Bergi, Bommel und Andi standen am Zaun und schauten angeregt diskutierend hinüber zur “Rosa”, wie wir die verhasste Nachbarschule nannten. “Freiheit ist immer auch die Freiheit des A”, stand in großen schwarzen Lettern auf die graue Außenwand der Polytechnischen Oberschule “Rosa Luxemburg” gepinselt. Leise schlich ich mich von hinten an und rief mit tiefstmöglicher Stimme: “Wer war das?” Bommel fiel vor Schreck die Kippe aus dem Mund, doch auch er musste lachen, als er mich sah.

Natürlich war das keiner von uns, und niemand konnte sich einen Reim darauf machen, was der Satz bedeutete und wie er ausgehen sollte. Dennoch sah ich in den Augen der Jungs, dass sie den “Sprayer” bewunderten. Das hatte was von dem Film “Beat Street”, auch wenn dies hier keine bunten Graffitis an U-Bahnwagen in der New Yorker Bronx waren.

Freiheit mit Farbe übertüncht

Als wir in der Pause auf den Hof zurückkehrten, war der Satz verschwunden. Nur eine etwa vier Meter lange und einen Meter breite weiße Farbschicht zeugte davon, dass dort mal etwas gestanden hatte. Es schimmerte noch feucht, so dass wir unseren Kumpels beweisen konnten, keinen Quatsch erzählt zu haben. Allerdings hatten wir weder den nächtlichen Schreiber noch den rasenden Malermeister zu Gesicht bekommen.

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Durch unsere Angeberei schossen wir dafür ein Eigentor. In der Mittagspause wurden wir zur Direktorin gerufen, wo bereits zwei Herren in Lederjacken, Marke Stasi, saßen. Die Sache hatte sich herumgesprochen. Einzeln führten sie uns in ein leeres Klassenzimmer. “Wer war das?”, fragte mich einer der Kerle mit tiefer Verhörstimme. Ich war mir sicher, dass ich nichts zu befürchten hätte. Denn weder meine Freunde noch ich hatten etwas damit zu tun oder wussten, wer der Täter war. Und selbst wenn, sie hätten es nicht erfahren!

In unserem Freundeskreis gab es einen unausgesprochenen Ehrenkodex: Es wird niemals jemand verpetzt oder denunziert. “Ich war das nicht!“, durfte man sagen, aber niemals: “Der da war das!”
Deshalb waren wir alle geschockt, als wir hörten, dass die Männer in Lederkluft unseren Andi eingesackt hatten.
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Erst am frühen Abend sprach sich herum, dass er wieder aufgetaucht war. Gespannt warteten wir darauf, dass er endlich im “Alfclub” erschien. Mit einem breiten Grinsen auf den Lippen schnappte er sich ein Bier, setzte sich auf einen Sessel – und schwieg. Er wusste natürlich, dass er gerade der uneingeschränkte Mittelpunkt unserer Runde war und kostete dies aus. Nach und nach begann er zu erzählen. Sie hätten ihn irgendwo nach Lichtenberg, Höhe U-Bahnhof Magdalenenstraße, gekarrt und “in ’nem richtigen Verhörzimmer und so” ordentlich in die Mangel genommen. Er schilderte die Situation so lebensnah und bedrohlich, dass wir alle muckmäuschenstill wurden.

Die alles entscheidende Frage

Doch scheinbar hatten alle außer mir die entscheidende Frage vergessen. Ich unterbrach ihn: “Was haben sie dir eigentlich vorgeworfen?” Er schaute mich an: “Na, blöderweise hatte ich denen gesagt, dass ich wüsste, wie der Satz vollständig heißt.” Wir staunten. Weder die befragten Eltern noch unsere Lehrerin Frau Wagenbach hatten eine Antwort darauf parat gehabt. “Und?” brüllte Tessi genervt. Andi lehnte sich zurück und rief: “Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andi.”

Schallendes Gelächter erfüllte den Klub in den Tiefen des Neubaublocks. Andreas, alias Andi, war an diesem Abend für viele der uneingeschränkte Held unserer Clique. Ich dachte da ein bisschen anders. Okay, momentan ist es so, dass derjenige, der den größtmöglichen Mist anstellt, in der Hierarchie der Gruppe aufsteigt. Dass man sich dafür allerdings mit der Stasi anlegt, hielt ich jedoch für keine so besonders schlaue Idee.

Am nächsten Morgen betrachtete ich den überpinselten Spruch und dachte: “Mich würde ja wirklich einmal interessieren, wer das war und vor allem wie dieser Satz ausgeht.”

DDR – ein Land der Duckmäuser?

Genau jetzt komme ich zu Gedanken, die mich regelmäßig in Rage versetzen: Die DDR wird heutzutage vornehmlich in den Medien und von Politikern auf Mauerschützen, höllengleiche Stasigefängnisse und brutale Kinderheime reduziert. Auf ein Land der Duckmäuser, der Wegschauer und Verräter – ein Land der Feiglinge, in dem jeder Einzelne ständig in einer Atmosphäre der Angst vor einem unerbittlichen Staatsapparat lebte. Gleichgeschaltete Menschen, die permanent andere bespitzelten. Und wenn sie selbst mal in Bedrängnis gerieten, riefen alle Chor: “Ich war das aber nicht, sondern der da!”

Neulich wurde mir sogar das Wort “Wende” von einem alten CDU-Politiker verboten. In einer Talkshow betonte er mehrfach, dass dies ein Begriff der SED-Staatsführung gewesen sei. Da war ich wohl einem Irrtum anheimgefallen. Denn ich dachte immer, “die Wende” bezeichne den Prozess des Wandels in der DDR. Ein Prozess, der auch als friedliche Revolution bezeichnet wird und schließlich 1989 zum Mauerfall und Ende der SED-Herrschaft führte. Doch wann begann diese Wende eigentlich?

Am 18. Januar 1988, knapp einen Monat nach der Geschichte mit der Schmiererei, kam mir Bergi ganz aufgeregt entgegen. Der sonst so schweigsame Typ rief sofort: “Haste gestern Abend Nachrichten gehört?” Ich wusste natürlich, dass er die von ARD, ZDF oder von RIAS im Radio meinte, verneinte aber. “Dann weißt du ja leider auch nicht, wie unser Andi-Spruch ausgeht.” Er deutete auf die Rosa-Luxemburg-Schule. “Nee, spuck’s aus”, brüllte ich, doch Bergi ließ mich zappeln. “Komm mal heute Abend mit deinem Rekorder zu den Platten. Um 20 Uhr bringen sie auf RIAS den Bericht noch mal.”

Am Abend fummelte ich sechs neue R14-Batterien in meinen SKR700 und lief in eisiger Kälte zu unserem Treffpunkt. Die üblichen Verdächtigen waren da. Im Gegensatz zu mir interessierte sie jedoch mehr der Fruchtsaft-Likör, Marke Kirsch mit Whisky, als die Sendung des “Rundfunks Im Amerikanischen Sektor”. Kurz bevor es losging, versammelte sich die Truppe dann aber doch vor meinem anthrazitfarbenen Jugendweihe-Rekorder.

Subversives Rosa-Luxemburg-Zitat

Die ersten Worte der Reportage waren: “Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden. Dieser Satz Rosa Luxemburgs stand auf einem selbst gefertigten Plakat von unabhängigen Gruppen, die sich an einer offiziellen Demonstration zum Jahrestag der Ermordung Luxemburgs und Karl Liebknechts in Ostberlin beteiligten. Insgesamt wird den aktuellen Angaben nach von über 100 Festnahmen berichtet. Wolfgang Hauptmann weiß Näheres aus Ostberlin…”

Genau diese Sekunden waren der Beginn meiner persönlichen Metamorphose. Sie leiteten die Wandlung eines kleinen, dummen Jungens mit allerlei Flausen im Kopf hin zu einem bewusst denkenden Menschen ein. Erstmals erfuhr ich, dass in unserem Land so etwas wie eine Opposition existierte, dass es da draußen Menschen gab, die sich für eine andere DDR einsetzten. Erstmals machte ich mir über ein Zitat der bei uns so verehrten Rosa Luxemburg wirklich Gedanken. Auch wenn ich den Satz zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht richtig begriff, erschütterte mich, dass ihn nicht mal unsere Deutschlehrerin kannte.

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Ich sah in die Gesichter meiner Freunde. Auch sie lauschten gespannt der Reportage. Wir hörten, dass sich die Szenen ganz in unserer Nähe am Frankfurter Tor abgespielt hatten. Wir waren nur deshalb dort nicht angetreten, weil die Teilnahme an der Demo freiwillig gewesen war. Als ich vom Radio wieder auf das Kassettenfach wechselte, brüllte Andi: “Freiheit ist trotzdem immer auch die Freiheit des Andi!” – und nahm einen großen Schluck aus der Pulle. Allmählich kehrte die Farbe in unsere Gesichter zurück. Wir grinsten und waren wieder 16-jährige Jungs mit allerlei Flausen im Kopf.

Es war genau diese “Freiheit der Andersdenkenden” – so das korrekte Zitat auf dem Plakat des 17. Januars 1988 – welche den Anfang vom Ende der DDR einläutete. In die Fänge der Stasi gerieten an diesem Tag Mitglieder der Berliner Umweltpolitik, ein bekannter Liedermacher und Mitglieder der Initiative für Frieden und Menschenrechte. Viele von ihnen setzten sich für Reformen und für die Aufhebung von Berufsverboten ein. Einige der Demonstranten wurden alsbald ausgebürgert – oder vom Westen freigekauft.

Niemand kuschte mehr

Es begann eine Zeit, in der sich niemand mehr versteckte und Menschen, die die DDR verlassen wollten, dies auf Plakaten, Handzetteln oder bei spektakulären Aktionen offen zeigten. Auf die Frage “Wer war das?” lautete die Antwort nun immer öfter: “Ich!”. Die friedliche Revolution hatte begonnen, und die Zahl dieser Menschen nahm bis zum November 1989 ein für die alten SED-Herrscher immer bedrohlicheres Ausmaß an.

Erst heute, über 20 Jahre danach, habe ich begriffen, dass ich diese Anfänge unmittelbar miterlebt habe. Für mich begann “die Wende” in meinem geliebten Friedrichshain schon im Dezember 1987 mit einem Spruch an der ungeliebten Nachbarschule “Rosa Luxemburg”. Der Revoluzzer der ersten Stunde war damals nur bis zum “A” gekommen – und bis heute frage ich mich: “Wer war das?”

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Vernissage in Taxizentrale

4. September 2011 | von | Kategorie: Blog

Wie die meisten gebürtigen Berliner habe auch ich einen leichten Hang zu Meckern.

Selbstverständlich und besonders auch über meine Stadt. Von Zugezogenen oder gar Touristen hör ich Kritik an Berlin allerdings nicht so gerne. Da werde ich zum sprungbereiten Muttertier, das sich reflexartig schützend vor ihr Junges wirft.

Uneingeschränkt klasse fand ich Berlin allerdings mal wieder vergangenen Freitag!

Einladung zur Vernissage des Malers Gustav Haase in Ans Taxi Netz, Bülowstraße 11 in Schöneberg. Aha?

Dass es in der Potsdamerstraße um die Ecke diverse Galerien gibt, und zwei spannende Neueröffnungen für nächste Woche dort anstehen, wusste ich ja. Aber in der Bülowstraße? In einem Taxiladen?

Kunst an ungewöhnlichen Orten hat ja immer was. Sollen sich doch vorerst Andere  die Beine vor dem Bode Museum in den Bauch stehen, um Gesichter der Renaissance zu sehen. Obwohl sie dort ja jetzt anscheinend das desolate Ticketsystem in den Griff bekommen haben und die Öffnungszeiten verlängert wurden. Für Botticelli, Leonardo da Vinci und Co. ist ja noch bis November Zeit.

Der Geschäftsführer von Ans Taxi Netz, Engür Sastimdur, ist Kunstliebhaber und mit allen Malern, die er in seinen Räumlichkeiten ausstellt, persönlich bekannt. Außerdem ist er selber eine faszinierende und charismatische Persönlichkeit, die zum Teil den großen Andrang am Freitagabend erklärt. Neben den sehr sehenswerten Berlin Bildern von Gustav Haase, versteht sich.

Ich war noch nie auf einer derart entspannten Vernissage mit so vielen angenehmen Besuchern. Menschen jeden Alters (Gustav Haase ist Mitte 60), alle ungekünstelt und locker. Es gab weder den unsäglichen Prosecco, noch den ach-so-angesagten  Aperol-Sprizz und kein schickes fingerfood.

Sondern ganz bodenständig Wein und Wasser. Außerdem Salzbrezeln. Und zu später Stunde dann Pflaumen, die irgendjemand aus seinem Garten mitgebracht hatte. Köstlich!

Gegen halb elf hielt eine etwas ramponierte Strechlimousine in zweiter Reihe und hinaus sprangen schöne Frauen in kurzen Röcken und Pelz sowie adrett heraus geputzte Männer. Eine Geburtstagsgesellschaft. Sie blieben auf einen Plausch, einen Drink, schauten sich Gustav Haases Bilder an und entschwanden dann wieder in die Nacht.

Engür umarmte zum Abschied einen der Männer herzlich mit einem „Bis morgen, dann“.

Auf meine Frage, wer das denn gewesen sei, antwortete er: „Mein mongolischer Putzmann. Er ist heute Nacht mit seiner mongolischen Community unterwegs, morgen früh macht er wieder hier sauber.“

Einzigartiges Berlin!

Zu Engürs Vernissagen gehören normalerweise immer noch kurze Auftritte anderer Künstler, wie er mir erzählte. Tänzerische Darbietungen beispielsweise, gerne auch Lesungen.

Beim nächsten Mal, in ca. drei Monaten, möchte er gerne „Die Unerhörten“ dabei haben. Das war dann noch das Sahnehäubchen dieser ganz besonders schönen Berliner Nacht.

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Midnight in Paris

24. August 2011 | von | Kategorie: Blog

Ich mach es kurz und falle direkt mit der Tür ins Haus: „Midnight in Paris“ ist ein herausragender Film. Wirklich absolut sehenswert!

Beim Abspann dachte ich kindisch und theatralisch „nochmal“ und hätte beinahe wie eine 4 Jährige trotzig dazu mit dem Fuß aufgestampft. Von mir aus hätte der Film stundenlang weitergehen können. Oder eben direkt wieder von vorne losgehen  sollen. Und das denkt man ja bekanntlich nicht oft.

Dabei bin ich gar nicht mal so der Woody Allen Film Fan. Klar, er hat Meisterwerke geschaffen, aber einige seiner Filme haben mich früher schon schwer genervt und ich schätze ihn normalerweise eher als brilianten und virtuosen Erzähler in seinen Kurzgeschichten.

Aber ich wusste: es geht um Paris (nach Berlin „meine“ Stadt) und die 20er Jahre (die auf mich in jeder Hinsicht eine magische Anziehungskraft ausüben).

Midnight in Paris ist die Verfilmung von Allens Prosastück „ A Twenties Memory“ aus den sechziger Jahren.

Gil (Owen Wilson) ist ein lustloser Drehbuchautor aus Hollywood, der sich im tiefsten Herzen zum ernstzunehmenden Schriftsteller berufen fühlt. Gemeinsam mit seiner oberflächlichen Verlobten Inez und ihren reaktionären, mit der Tea Party sympathisierenden Eltern verbringt er die Ferien in seiner Lieblingsstadt Paris.

Schnell stellt sich heraus, dass das Paar eigentlich nichts verbindet. Inez shoppt sich durch die Pariser Haute Couture und klappert gelangweilt die Sehenswürdigkeiten ab. Gil taucht in das ganz spezielle Paris-Gefühl ein, arbeitet an einem Roman und möchte am liebsten seinen Wohnsitz von Malibu hierher verlegen.

Bei einem einsamen Nachtspaziergang wird Gil Schlag Mitternacht von einem Oldtimer aufgelesen und an den Schauplatz seiner Sehnsüchte chauffiert: das Paris der „Goldenen Zwanziger“. Im Reich seiner unerfüllten Dichterträume trifft er zu seinem grenzenlosen Entzücken auf all seine persönlichen Helden. Fortan erhebt er jede Nacht zur Geisterstunde sein Glas mit F. Scott und Zelda Fitzgerald, lauscht hingerissen Cole Porter himself am Klavier und lässt sich vom unverbesserlichen Macho Ernest Hemingway über Mut, echte Männer und Prosa belehren.

Zu seinen „neuen“ Bekannten und Freunden zählen weiterhin Picasso, Dali (wundervoll besetzt mit Adrien Brody) und Jean Cocteau. Gil verliebt sich unsterblich in die schöne Geliebte Picassos, Adriana, (Marion Cotillard) und schließlich nimmt sich niemand Geringeres als Gertrude Stein (Kathy Bates) seines Manuskripts an.

Was für eine Lektorin!

Gil ist bereit, für immer mit Adriana in den „Roaring Twenties“ zu leben, doch die zieht es in eine andere Epoche: nämlich die Belle Epoque.

Nach dem Film habe zu Hause ewig nach meinen Cole Porter CDs gesucht, die sträflicherweise schon ziemlich lange ein unbeachtetes Dasein gefristet haben.

Außerdem habe ich mir herzlich dazu gratuliert, mit Anfang 20 ein Jahr in Paris verbracht zu haben. Mindestens in dem Punkt hatte Hemingway ja so Recht: “Paris, ein Fest fürs Leben”.

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Beginners

17. June 2011 | von | Kategorie: Blog

So ein kapitalistenschaffreier Abend ist auch mal richtig schön!

„Schon wieder ausgehen? Echt nicht, Kinners. Das ganze Pfingstwochenende nur auf der Rolle, Karneval der Kulturen, Potsdam, Wannsee. Immer weiter, weiter, bloß nie innehalten, ja immer Zerstreuung suchen.

Und jetzt soll ich mit euch wieder ins Kino hetzen, um Beginners zu sehen? Könnt ihr vergessen. Ich mache mir einen gemütlichen Abend, widme mich mal wieder meinem Aussehen und trage eine schöne Quark-Gurkenmaske auf, ging ja ewig nicht, wegen diesem dämlichen Ehec. Könnte allen Anwesenden übrigens auch nichts schaden, so eine kleine Gesichtsbehandlung. Das Fräulein Pfirsichteint hier mal ausgenommen.“

Damit bin leider nicht ich gemeint, sondern unsere 10-jährige Tochter. Schon klar.

Im Strandbad Wannsee hatte das Schaf zunächst Kindern die Sandburg eingetreten, war danach auf seiner pinkfarbenen Luftmatratze abgetrieben, forderte, kaum gerettet, andauernd neuen Eiskaffee und hatte bei der Durchsage „ Achtung. Achtung. Der kleine Jeremy vermisst seine Mutti. Bitte holen Sie ihn beim Schwimmmeister ab“, sehr laut und sehr hämisch gekichert.

Ich war also wirklich bedient und ließ es ganz leichten Herzens zuhause.

Beginners ist schlicht und einfach großartig. Von einem Juwel möchte man gar sprechen, klänge es nicht so abgedroschen. In Mike Mills zweiten Film (nach „Thumbsuckers“) gibt es verschiedene Erzählstränge, die sehr raffiniert verknüpft sind:

Kaum ist seine Frau nach 44 Jahren Ehe gestorben, outet sich Hal (wunderbarer Christopher Plummer) als homosexuell, gibt Kontaktanzeigen auf und blüht in seinem neuen Leben mit einem jungen Liebhaber auf. In Rückblenden wird das spießige Leben der 50er Jahre in Amerika gezeigt, das deutlich macht, wieso es unmöglich war, das Schwulsein damals zu leben. Als Hal an Krebs erkrankt nähert er sich seinem Sohn Oliver (Ewan McGregor- gibt’s jemanden, der den nicht toll findet?) wieder an. Dieser verliebt sich nach dem Tod seines Vaters in Anna (Mélanie Laurent aus „Inglourious Basterds“), sie versuchen miteinander glücklich zu sein…

In dem Film geht es um Familienverstrickungen, Abschiednehmen, Glückssuche, Neuanfänge und das mit so vielen originellen Einfällen, wunderbarem Humor und reichlich melancholischen Momenten.

Unbedingt muss Arthur noch Erwähnung finden. Das ist der Foxterrier, den Oliver von seinem Vater „erbt“ und diesen für ihn fortan präsent hält. Gibt’s eigentlich  Oscars, Césars etc. auch für Filmtiere?

Arthur wäre ein heißer Anwärter.

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