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Friedrichshainer Leseabend am 26.11.2011 in der Feuerwache

27. September 2011 | von | Kategorie: Blog

Am Samstag, den 26.11.2011 um 20:00 Uhr
lädt die Studiobühne der „Alten Feuerwache“ zum zweiten Teil der neuen Veranstaltungsreihe ein:
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Einmal im Monat stellen Berliner Autoren verschiedener Lesebühnen sich und ihre Texte vor – ein literarischer Abend in gemütlicher Atmosphäre, zum Zuhören, Nachdenken, Lachen und Genießen.
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Dieses Mal werden für Sie lesen:
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Ariane Meinzer („Die Unerhörten“)
Werner Lutz Kunze („Das Aktuelle Wortstudio“)
Agnieszka Debska  („Die Brutusmörder“)
Lydia Kraft („LUNGE“)
Elena C. M. Tüx (Kreuzberger Literaturwerkstatt)

Eintritt: 5€ / ermäßigt 3€

Studiobühne in der Alten Feuerwache, Marchlewskistraße 6
10243 Berlin U 5 / Weberwiese
Karten: 030/4266636
studiobühne@kulturamtfk.de
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Normalerweise tagen sie im aktuellen Wortstudio oder im Café Tasso in der Frankfurter Allee. Sie lesen auf Lunge und schreiben non stop, nennen sich Die Unerhörten oder Die Brutusmörder, veröffentlichen ihre Kurzgeschichten in einer Zeitschrift namens Storyatella und deklamieren ihre Werke im Zebrano-Theater oder auf anderen Bühnen dieser Weltstadt. In den Geschichten geht es z.B. um einen Pinguin am Frankfurter Tor, um Fußball und Sowjetpanzer, um Mondschein in der Mainzer Straße, um den Hasen Ephraim oder um die Katze Cremo …
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Die Rede ist von den berühmten Friedrichshainer Lesebühnen, die so zahlreich sind wie die Graffiti in der Stadt. Die Studiobühne in der Alten Feuerwache lädt ab Oktober zu einem regelmäßigen Leseabenden der Schreibenden und Lesenden, um vor einem erwartungsvollen Publikum das Beste vom Besten zu Gehör zu bringen. Eine Talenteshow vom Feinsten, ein Poetenseminar und literarischer Kessel Buntes, jenseits von Schoßgebeten und Säulen der Erde.
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Poeten an der Weberweise – Textfeuer der Friedrichshainer Lesebühnen!

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Vernissage in Taxizentrale

4. September 2011 | von | Kategorie: Blog

Wie die meisten gebürtigen Berliner habe auch ich einen leichten Hang zu Meckern.

Selbstverständlich und besonders auch über meine Stadt. Von Zugezogenen oder gar Touristen hör ich Kritik an Berlin allerdings nicht so gerne. Da werde ich zum sprungbereiten Muttertier, das sich reflexartig schützend vor ihr Junges wirft.

Uneingeschränkt klasse fand ich Berlin allerdings mal wieder vergangenen Freitag!

Einladung zur Vernissage des Malers Gustav Haase in Ans Taxi Netz, Bülowstraße 11 in Schöneberg. Aha?

Dass es in der Potsdamerstraße um die Ecke diverse Galerien gibt, und zwei spannende Neueröffnungen für nächste Woche dort anstehen, wusste ich ja. Aber in der Bülowstraße? In einem Taxiladen?

Kunst an ungewöhnlichen Orten hat ja immer was. Sollen sich doch vorerst Andere  die Beine vor dem Bode Museum in den Bauch stehen, um Gesichter der Renaissance zu sehen. Obwohl sie dort ja jetzt anscheinend das desolate Ticketsystem in den Griff bekommen haben und die Öffnungszeiten verlängert wurden. Für Botticelli, Leonardo da Vinci und Co. ist ja noch bis November Zeit.

Der Geschäftsführer von Ans Taxi Netz, Engür Sastimdur, ist Kunstliebhaber und mit allen Malern, die er in seinen Räumlichkeiten ausstellt, persönlich bekannt. Außerdem ist er selber eine faszinierende und charismatische Persönlichkeit, die zum Teil den großen Andrang am Freitagabend erklärt. Neben den sehr sehenswerten Berlin Bildern von Gustav Haase, versteht sich.

Ich war noch nie auf einer derart entspannten Vernissage mit so vielen angenehmen Besuchern. Menschen jeden Alters (Gustav Haase ist Mitte 60), alle ungekünstelt und locker. Es gab weder den unsäglichen Prosecco, noch den ach-so-angesagten  Aperol-Sprizz und kein schickes fingerfood.

Sondern ganz bodenständig Wein und Wasser. Außerdem Salzbrezeln. Und zu später Stunde dann Pflaumen, die irgendjemand aus seinem Garten mitgebracht hatte. Köstlich!

Gegen halb elf hielt eine etwas ramponierte Strechlimousine in zweiter Reihe und hinaus sprangen schöne Frauen in kurzen Röcken und Pelz sowie adrett heraus geputzte Männer. Eine Geburtstagsgesellschaft. Sie blieben auf einen Plausch, einen Drink, schauten sich Gustav Haases Bilder an und entschwanden dann wieder in die Nacht.

Engür umarmte zum Abschied einen der Männer herzlich mit einem „Bis morgen, dann“.

Auf meine Frage, wer das denn gewesen sei, antwortete er: „Mein mongolischer Putzmann. Er ist heute Nacht mit seiner mongolischen Community unterwegs, morgen früh macht er wieder hier sauber.“

Einzigartiges Berlin!

Zu Engürs Vernissagen gehören normalerweise immer noch kurze Auftritte anderer Künstler, wie er mir erzählte. Tänzerische Darbietungen beispielsweise, gerne auch Lesungen.

Beim nächsten Mal, in ca. drei Monaten, möchte er gerne „Die Unerhörten“ dabei haben. Das war dann noch das Sahnehäubchen dieser ganz besonders schönen Berliner Nacht.

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Midnight in Paris

24. August 2011 | von | Kategorie: Blog

Ich mach es kurz und falle direkt mit der Tür ins Haus: „Midnight in Paris“ ist ein herausragender Film. Wirklich absolut sehenswert!

Beim Abspann dachte ich kindisch und theatralisch „nochmal“ und hätte beinahe wie eine 4 Jährige trotzig dazu mit dem Fuß aufgestampft. Von mir aus hätte der Film stundenlang weitergehen können. Oder eben direkt wieder von vorne losgehen  sollen. Und das denkt man ja bekanntlich nicht oft.

Dabei bin ich gar nicht mal so der Woody Allen Film Fan. Klar, er hat Meisterwerke geschaffen, aber einige seiner Filme haben mich früher schon schwer genervt und ich schätze ihn normalerweise eher als brilianten und virtuosen Erzähler in seinen Kurzgeschichten.

Aber ich wusste: es geht um Paris (nach Berlin „meine“ Stadt) und die 20er Jahre (die auf mich in jeder Hinsicht eine magische Anziehungskraft ausüben).

Midnight in Paris ist die Verfilmung von Allens Prosastück „ A Twenties Memory“ aus den sechziger Jahren.

Gil (Owen Wilson) ist ein lustloser Drehbuchautor aus Hollywood, der sich im tiefsten Herzen zum ernstzunehmenden Schriftsteller berufen fühlt. Gemeinsam mit seiner oberflächlichen Verlobten Inez und ihren reaktionären, mit der Tea Party sympathisierenden Eltern verbringt er die Ferien in seiner Lieblingsstadt Paris.

Schnell stellt sich heraus, dass das Paar eigentlich nichts verbindet. Inez shoppt sich durch die Pariser Haute Couture und klappert gelangweilt die Sehenswürdigkeiten ab. Gil taucht in das ganz spezielle Paris-Gefühl ein, arbeitet an einem Roman und möchte am liebsten seinen Wohnsitz von Malibu hierher verlegen.

Bei einem einsamen Nachtspaziergang wird Gil Schlag Mitternacht von einem Oldtimer aufgelesen und an den Schauplatz seiner Sehnsüchte chauffiert: das Paris der „Goldenen Zwanziger“. Im Reich seiner unerfüllten Dichterträume trifft er zu seinem grenzenlosen Entzücken auf all seine persönlichen Helden. Fortan erhebt er jede Nacht zur Geisterstunde sein Glas mit F. Scott und Zelda Fitzgerald, lauscht hingerissen Cole Porter himself am Klavier und lässt sich vom unverbesserlichen Macho Ernest Hemingway über Mut, echte Männer und Prosa belehren.

Zu seinen „neuen“ Bekannten und Freunden zählen weiterhin Picasso, Dali (wundervoll besetzt mit Adrien Brody) und Jean Cocteau. Gil verliebt sich unsterblich in die schöne Geliebte Picassos, Adriana, (Marion Cotillard) und schließlich nimmt sich niemand Geringeres als Gertrude Stein (Kathy Bates) seines Manuskripts an.

Was für eine Lektorin!

Gil ist bereit, für immer mit Adriana in den „Roaring Twenties“ zu leben, doch die zieht es in eine andere Epoche: nämlich die Belle Epoque.

Nach dem Film habe zu Hause ewig nach meinen Cole Porter CDs gesucht, die sträflicherweise schon ziemlich lange ein unbeachtetes Dasein gefristet haben.

Außerdem habe ich mir herzlich dazu gratuliert, mit Anfang 20 ein Jahr in Paris verbracht zu haben. Mindestens in dem Punkt hatte Hemingway ja so Recht: “Paris, ein Fest fürs Leben”.

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11 Freunde Ausgabe 116

25. June 2011 | von | Kategorie: Blog


Ein wenig in eigener Sache empfehle ich heute die Juli-Ausgabe 2011 von 11freunde, dem Magazin für Fußballkultur, zu lesen, denn dort ist eine schöne Rezension meines neuen Buches 90 Minuten Südamerika zu finden.

Was soll ich dazu sagen? Dass ich mich jeden Monat tierisch auf das neue Heft freue? Dass ich schon als kleines Kind in der „11-Freunde-Arena“ in der Nordkurve gestanden habe und nun bei ihnen mitkicke?*
Nee! Es freut mich einfach, dass die dortigen Jungs, neben wirklich guten Texten und Reportagen, auch Büchern aus Eigenverlagen eine sportliche Chance geben. Und verrissen haben sie „90 Minuten Südamerika“ ja auch nicht.

* (bildlich gesprochen – ich kenne in der 11freunde-Redaktion niemanden persönlich)

Hier zwei Sätze aus der Rezension und den Rest eben in der Ausgabe 116 von 11freunde:

„90 Minuten Südamerika“ ist eine Art nonfiktiver Coming-of-Age-Roman, in dem der Fußball sukzessive stärker in den Fokus rückt. Schepperts Berichte sind keine abgehangenen Weisheiten, sondern großartig geschriebene Momentaufnahmen einer riesigen Weltkarte.“

…und hier noch eine aktuelle Leseprobe auf Spiegel Online

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Beginners

17. June 2011 | von | Kategorie: Blog

So ein kapitalistenschaffreier Abend ist auch mal richtig schön!

„Schon wieder ausgehen? Echt nicht, Kinners. Das ganze Pfingstwochenende nur auf der Rolle, Karneval der Kulturen, Potsdam, Wannsee. Immer weiter, weiter, bloß nie innehalten, ja immer Zerstreuung suchen.

Und jetzt soll ich mit euch wieder ins Kino hetzen, um Beginners zu sehen? Könnt ihr vergessen. Ich mache mir einen gemütlichen Abend, widme mich mal wieder meinem Aussehen und trage eine schöne Quark-Gurkenmaske auf, ging ja ewig nicht, wegen diesem dämlichen Ehec. Könnte allen Anwesenden übrigens auch nichts schaden, so eine kleine Gesichtsbehandlung. Das Fräulein Pfirsichteint hier mal ausgenommen.“

Damit bin leider nicht ich gemeint, sondern unsere 10-jährige Tochter. Schon klar.

Im Strandbad Wannsee hatte das Schaf zunächst Kindern die Sandburg eingetreten, war danach auf seiner pinkfarbenen Luftmatratze abgetrieben, forderte, kaum gerettet, andauernd neuen Eiskaffee und hatte bei der Durchsage „ Achtung. Achtung. Der kleine Jeremy vermisst seine Mutti. Bitte holen Sie ihn beim Schwimmmeister ab“, sehr laut und sehr hämisch gekichert.

Ich war also wirklich bedient und ließ es ganz leichten Herzens zuhause.

Beginners ist schlicht und einfach großartig. Von einem Juwel möchte man gar sprechen, klänge es nicht so abgedroschen. In Mike Mills zweiten Film (nach „Thumbsuckers“) gibt es verschiedene Erzählstränge, die sehr raffiniert verknüpft sind:

Kaum ist seine Frau nach 44 Jahren Ehe gestorben, outet sich Hal (wunderbarer Christopher Plummer) als homosexuell, gibt Kontaktanzeigen auf und blüht in seinem neuen Leben mit einem jungen Liebhaber auf. In Rückblenden wird das spießige Leben der 50er Jahre in Amerika gezeigt, das deutlich macht, wieso es unmöglich war, das Schwulsein damals zu leben. Als Hal an Krebs erkrankt nähert er sich seinem Sohn Oliver (Ewan McGregor- gibt’s jemanden, der den nicht toll findet?) wieder an. Dieser verliebt sich nach dem Tod seines Vaters in Anna (Mélanie Laurent aus „Inglourious Basterds“), sie versuchen miteinander glücklich zu sein…

In dem Film geht es um Familienverstrickungen, Abschiednehmen, Glückssuche, Neuanfänge und das mit so vielen originellen Einfällen, wunderbarem Humor und reichlich melancholischen Momenten.

Unbedingt muss Arthur noch Erwähnung finden. Das ist der Foxterrier, den Oliver von seinem Vater „erbt“ und diesen für ihn fortan präsent hält. Gibt’s eigentlich  Oscars, Césars etc. auch für Filmtiere?

Arthur wäre ein heißer Anwärter.

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Unser Film des Monats: “Wer ist Hanna?”

3. June 2011 | von | Kategorie: Blog

Das Kapitalistenschaf ist ja an sich ein Kinomuffel. Zu unbequeme Sessel, zuviele nervige Menschen, die mit XXL- Popcorntüten krümeln und rascheln, als sei das der alleinige Grund des Kinobesuches. Zudem zuwenige Freiheiten, mal angemessene Kommentare zu blöken. Kann ich absolut verstehen, da wir erst neulich in hohem Bogen aus dem Cinemaxx flogen, als das Schaf beim Film “Wasser für die Elefanten” schon nach 15 Minuten unruhig wurde und in Abständen von wenigen Minuten immer wieder lauthals schrie: “Wann beißt der blöde Vampir denn endlich zu?… Nun mach schon, Du Weichei!”

Trotzdem konnte ich das Schaf überreden, mit mir in ein Lichtspielhaus zu gehen, in dem wir noch kein Hausverbot haben, um uns “Wer ist Hanna?” anzusehen. Als ultimativen Köder warf ich die Tatsache aus, dass die Hauptdarstellerin Saoirse Ronan irische Eltern hat und mit Irland kriege ich das Schaf zu fast allem rum. Sogar zu dem Schwur, diesmal keine Skandälchen zu provozieren. Schön brav trabten wir also ins Kino und siehe da- das Schaf saß über die volle Länge des Filmes mit offenem Maul da und war fasziniert, berührt, gespannt und fieberte so stark mit, dass ich ihm hinterher noch eine Paracetamol verpassen musste, damit es wieder auf Betriebstemperatur runterkühlen konnte.

In dem auch nach meiner bescheidenen Meinung nach herausragenden Film geht es um ein junges Mädchen, das in den Wäldern Finnlands von seinem Vater darauf vorbereitet wird, eines Tages gleichermaßen Jägerin und Gejagte zu werden, um eine Agentin des CIA zu besiegen, die sowohl Vater, als auch Tochter nach dem Leben trachtet. Also beginnt der Film in einer Wüste aus Schnee und begleitet seine Heldin auf einer visuell wie dramaturgisch großartigen Verfolgungsjagd über Tunesien zurück nach Europa, um zu einem beklemmenden Showdown im Spreepark in Berlin anzukommen.

“Wer ist Hanna?” begeistert als gelungener Thriller, der zugleich Arthouse-Kino vom Feinsten zu bieten hat und vor allem eine Hauptdarstellerin, die so gut spielt und soviel Charakter ausstrahlt, dass man dem Film die ganz wenigen Ungereimtheiten  und Längen sehr, sehr gerne verzeiht.

So- und jetzt muss ich dem quengelnden Schaf klar machen, dass es den Film noch nicht auf DVD zu kaufen gibt. Nervensäge…

Den Trailer gibt es hier: http://www.kino-zeit.de/filme/trailer/wer-ist-hanna

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Lesebühnen Nonstop

24. May 2011 | von | Kategorie: Blog

Dem kleinen Kapitalistenschaf ist es scheinbar ein bißchen zu einsam geworden. Es möchte zurück in die Herde, um sich dort mal mir Artgenossen auszutauschen, bzw. zu lauschen, was die so treiben. Unseren ersten gemeinschaftlichen Termin also hier auch nochmals im Blog.

Im Rahmen der 1. “Langen Nacht der Bibliotheken” lesen DIE UNERHÖRTEN neben Vertretern weiterer Lesebühnen aus Friedrichshain und Kreuzberg. Mit dabei:

– Die Unerhörten (Kurzgeschichten von Ralph Trommer und Mark Scheppert)
– Die Brutusmörder (Kurzgeschichten)
– Literatursaloon LUNGE (szenische Kurzgeschichte und Märchensatire)
– Das aktuelle Wortstudio (Kurzgeschichten)
– Kreuzberger Literaturwerkstatt (Gedichte und lyrische Prosa)
– Die Wortfechterinnen von Avantgarden und der Theaterkapelle (Kurzgeschichten und Romanauszüge)

Somit haben die Zuhörer die Chance, sich einen Überblick über das literarische Werk dieser Lesebühnen zu verschaffen und können vor allem einmal live erleben, wen es überhaupt in Berlin-Friedrichshain und Kreuzberg gibt.

Wann: 08.06.2011, 20.00 – 23.00 Uhr

Wo: Bezirkszentralbibliothek
Friedrichshain-Kreuzberg
Frankfurter Allee 14a
10247 Berlin
Tel. 90298-5732

Eintritt frei!

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Lange Nacht der Bibliotheken

16. May 2011 | von | Kategorie: Blog

Im Rahmen der 1. “Langen Nacht der Bibliotheken” lesen DIE UNERHÖRTEN neben Vertretern weiterer Lesebühnen aus Friedrichshain und Kreuzberg. (Mit dabei: Die Unerhörten, Die Brutusmörder, Literatursaloon LUNGE, Das aktuelle Wortstudio, Kreuzberger Literaturwerkstatt, Die Wortfechterinnen von Avantgarden und der Theaterkapelle).

Wann: 08.06.2011, 20.00 – 23.00 Uhr

Wo: Bezirkszentralbibliothek
Friedrichshain-Kreuzberg
Frankfurter Allee 14a
10247 Berlin
Tel. 90298-5732

Eintritt frei!

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Siri Hustvedt Lesung im Babylon

9. May 2011 | von | Kategorie: Blog

Das Schaf wollte zuerst gar nicht mit.

„Och, nö“, hatte es geblökt, „Siri Hustvedt ist doch viel zu schön, viel zu prominent verheiratet und der Titel ihres neuen Buches Der Sommer ohne Männer klingt total bescheuert. So nach ganz viel Prosecco und dümmlicher Freche-Frauen-Literatur.“

Richtige Schauder liefen ihm durch die Wolle.

„Jetzt hör mal zu, Schaf“, ich musste mich sehr beherrschen, „Siri Hustvedt ist zwar tatsächlich bildschön, stimmt, sie ist mit Paul Auster verheiratet und der Titel ist ein bisschen irritierend, aber sie ist eine außergewöhnlich gute und kluge Autorin. Niemals würde sie in eine öde Klischeefalle tappen und platte Abrechnungen mit dem männlichen Geschlecht schreiben. Hast Du etwa nicht ihren großartigen Roman Was ich liebte gelesen? Oder, ebenfalls höchst lesenswert, Die zitternde Frau?“

Selbstverständlich war das Babylon ausverkauft.

Der Literaturübersetzer Bernhard Robben moderierte kompetent, der deutsche Part wurde von der hinreißenden Maria Schrader so gut gelesen, dass die 56- jährige Siri Hustvedt über ihren eigenen Text ganz häufig giggelte und kicherte wie ein ganz junges Mädchen.

Der Sommer ohne Männer ist ein Ehebruchsroman auf ganz hohem Niveau. Siri Hustvedt erzählt eine der ältesten und banalsten Geschichten noch einmal ganz neu. Die New Yorker Dichterin Mia erfährt, dass ihr Mann Boris, ein berühmter Neurowissenschaftler, sich nach 30 Jahren Ehe in eine jüngere Kollegin verliebt und deshalb eine Pause von seiner Frau fordert. Mia landet kurzfristig in der Psychiatrie, verlässt vorübergehend New York und verbringt den Sommer in ihrer Heimatstadt Minnesota. Mias Mutter und ihre betagten Freundinnen in einem Altenheim, eine junge Familie und sieben pubertierende Mädchen, die sie im Schreiben unterrichtet, bilden mit ihren großen und kleinen Dramen das Netz weiblicher Lebensläufe, das Mia schließlich auffangen wird.

Tiefsinnig, klug, zugleich leichtfüßig und komisch stellt Siri Hustvedt ganz entscheidende Fragen über Frauen und Männer.

Selbstverständlich stellte sich das Schaf am Ende der Lesung ohne Murren in die endlose Schlange, um sich ein Autogramm von der wundervollen Siri Hustvedt geben zu lassen.

SIRI HUSTVEDT: Der Sommer ohne Männer. Rowohlt Verlag, Reinbek 2011. 251 Seiten, 19,95 Euro.

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Berlinoise – Meret Becker & The Tiny Teeth

5. May 2011 | von | Kategorie: Blog

“Hinreizend”, murmelt das Kapitalistenschaf und kontrolliert mit einem Taschenspiegel seine kleinen weißen Zähne. Auf meinen Einwand, was das denn für ein Adjektiv sei, fällt ihm wieder ein, dass es ja eigentlich ein bisschen beleidigt ist.

Ich habe es nämlich abgelehnt, ihm ein Tutu zu nähen und konnte ihm auch nicht versprechen, dass es Unterrichtstunden für das Erlernen der Singenden Säge nehmen darf. „Jawohl, hinreizend“, pampt es, „Meret Becker ist absolut hinreizend und ihr könnt euch alle mal eine Scheibe von ihr abschneiden!“

Letzten Samstag durfte das Schaf uns ins Tipi am Kanzleramt begleiten, um Meret  & The Tiny Teeth zu feiern.

Und es hat ja Recht. Seit ich Meret Becker 1995 zum ersten Mal im legendären „Ex und Pop“ gesehen habe (zusammen mit Ben Becker in dessen Theaterstück „Sid und Nancy“- die tragische Liebesgeschichte von Nancy Spungen und dem „Sex Pistols“ Bassisten Sid Vicious), verehre ich sie über alle Maßen.

Was für eine Ausstrahlung! Und ihre Stimme!

Neben Klavier, Cello, Akkordeon und Banjo kommen auch Instrumente zum Einsatz, die man sonst eher von Musikclowns oder Jahrmärkten kennt, nämlich Glasharfe, Singende Säge (ja, Schaf, ich rede mit den anderen Unerhörten über Deinen Wunsch), Hupe und Kinderklavier. Meret singt über Bordsteinschwalben, Spelunken und Flitzpiepen. Mal melancholisch, mal albern. Auf deutsch, französisch und englisch. Immer großartig und mit so viel Charme.

Zwischendurch turnt und verbiegt sie sich im Tutu (nein, Schaf, ich kann nicht nähen) und voller Hingabe in einem von der Bühne hängenden Reifen.

Nach drei Zugaben haucht sie am Ende der Vorstellung „Träumt süß“.

Haben wir, Meret.

 

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