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Midnight in Paris

24. August 2011 | von | Kategorie: Blog

Ich mach es kurz und falle direkt mit der Tür ins Haus: „Midnight in Paris“ ist ein herausragender Film. Wirklich absolut sehenswert!

Beim Abspann dachte ich kindisch und theatralisch „nochmal“ und hätte beinahe wie eine 4 Jährige trotzig dazu mit dem Fuß aufgestampft. Von mir aus hätte der Film stundenlang weitergehen können. Oder eben direkt wieder von vorne losgehen  sollen. Und das denkt man ja bekanntlich nicht oft.

Dabei bin ich gar nicht mal so der Woody Allen Film Fan. Klar, er hat Meisterwerke geschaffen, aber einige seiner Filme haben mich früher schon schwer genervt und ich schätze ihn normalerweise eher als brilianten und virtuosen Erzähler in seinen Kurzgeschichten.

Aber ich wusste: es geht um Paris (nach Berlin „meine“ Stadt) und die 20er Jahre (die auf mich in jeder Hinsicht eine magische Anziehungskraft ausüben).

Midnight in Paris ist die Verfilmung von Allens Prosastück „ A Twenties Memory“ aus den sechziger Jahren.

Gil (Owen Wilson) ist ein lustloser Drehbuchautor aus Hollywood, der sich im tiefsten Herzen zum ernstzunehmenden Schriftsteller berufen fühlt. Gemeinsam mit seiner oberflächlichen Verlobten Inez und ihren reaktionären, mit der Tea Party sympathisierenden Eltern verbringt er die Ferien in seiner Lieblingsstadt Paris.

Schnell stellt sich heraus, dass das Paar eigentlich nichts verbindet. Inez shoppt sich durch die Pariser Haute Couture und klappert gelangweilt die Sehenswürdigkeiten ab. Gil taucht in das ganz spezielle Paris-Gefühl ein, arbeitet an einem Roman und möchte am liebsten seinen Wohnsitz von Malibu hierher verlegen.

Bei einem einsamen Nachtspaziergang wird Gil Schlag Mitternacht von einem Oldtimer aufgelesen und an den Schauplatz seiner Sehnsüchte chauffiert: das Paris der „Goldenen Zwanziger“. Im Reich seiner unerfüllten Dichterträume trifft er zu seinem grenzenlosen Entzücken auf all seine persönlichen Helden. Fortan erhebt er jede Nacht zur Geisterstunde sein Glas mit F. Scott und Zelda Fitzgerald, lauscht hingerissen Cole Porter himself am Klavier und lässt sich vom unverbesserlichen Macho Ernest Hemingway über Mut, echte Männer und Prosa belehren.

Zu seinen „neuen“ Bekannten und Freunden zählen weiterhin Picasso, Dali (wundervoll besetzt mit Adrien Brody) und Jean Cocteau. Gil verliebt sich unsterblich in die schöne Geliebte Picassos, Adriana, (Marion Cotillard) und schließlich nimmt sich niemand Geringeres als Gertrude Stein (Kathy Bates) seines Manuskripts an.

Was für eine Lektorin!

Gil ist bereit, für immer mit Adriana in den „Roaring Twenties“ zu leben, doch die zieht es in eine andere Epoche: nämlich die Belle Epoque.

Nach dem Film habe zu Hause ewig nach meinen Cole Porter CDs gesucht, die sträflicherweise schon ziemlich lange ein unbeachtetes Dasein gefristet haben.

Außerdem habe ich mir herzlich dazu gratuliert, mit Anfang 20 ein Jahr in Paris verbracht zu haben. Mindestens in dem Punkt hatte Hemingway ja so Recht: “Paris, ein Fest fürs Leben”.

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