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Kulturfest fürs Schaf- Die Weber im DT

15. April 2011 | von | Kategorie: Blog

Das Kapitalistenschaf wollte es wissen: wie gehen die Berliner Sprechtheater mit schafspezifischen Stücken um? Nach Sichtung der Spielpläne fiel die Erstauswahl auf die Weber im Deutschen Theater. Schließlich ist die industrielle Verarbeitung von Wolle von großem Interesse für gesellschaftspolitisch gebildete Schafe. Also quetschten wir uns in die für Schafe deutlich zu schmal bemessenen Reihen des DT und wurden schonmal von dem Bühnenbild beeindruckt und auch ein wenig eingeschüchtert- wie eine Mischung aus einem übergroßen Webstuhl und einer puristischen Showtreppe ragten steile Stufen bis hoch an den Bühnenhimmel. Die Schauspieler agierten über knapp 2 Stunden je nach sozialem Status ihrer Rolle auf den unterschiedlichen Stufen, die Gesichter immer dem Publikum zugewandt. Symbolischer Holzhammer, damit jeder kapiert, dass hier die soziale Leiter, das OBEN und UNTEN im Mittelpunkt steht? Nein, fanden wir. Die Weberaufstände 1844 in Schlesien als Stoff eines Stückes, noch dazu in einer schwer für heutige Menschen- und Schafsohren verständlichen Mundart- das ist grundsätzlich ein Sujet, bei dem man sich auf emotionale wie politische Großsymbole und Botschaften gefasst machen muss.
Das Schaf und ich waren uns einig, dass dem Regisseur Thalheimer mit der Idee der Treppe und dem frontalen Sprechen zum Publikum eine großartige Mischung aus Emotionalisierung und Abstraktion gelungen ist. Der Text wurde gekürzt, so dass das revolutionäre Drama kaum länger als ein Spielfilm dauerte. Mit der Mundart hatten wir beide immer mal wieder Probleme, hörten uns jedoch ganz gut rein in diese fremd und fern scheinende Sprache. Das Schaf war voller Bewunderung für die Schauspieler, die sich durch den Text ebenso souverän bewegten wie sie es auf der steilen, sicher nicht ungefährlichen Treppe taten.
Unser Fazit: empfehlenswert. Anmerkung vom Schaf: super, aber enttäuschend wenig über Wolle in dem Stück. Über die Ausbeutung von Schafen sogar garnichts. Minuspunkt!
Deshalb hat es den Wunsch geäußert, als nächstes im Gorki die Glasmenagerie zu sehen- es hätte gerüchteweise gehört, dass es da um amerikanische Glasschafe geht. Tja- ob die Gerüchte stimmen und wie es uns da gefallen, das erfahrt Ihr demnächst- doch schon jetzt sei verraten: es war unerhört gut!

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