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Vernissage in Taxizentrale

4. September 2011 | von | Kategorie: Blog

Wie die meisten gebürtigen Berliner habe auch ich einen leichten Hang zu Meckern.

Selbstverständlich und besonders auch über meine Stadt. Von Zugezogenen oder gar Touristen hör ich Kritik an Berlin allerdings nicht so gerne. Da werde ich zum sprungbereiten Muttertier, das sich reflexartig schützend vor ihr Junges wirft.

Uneingeschränkt klasse fand ich Berlin allerdings mal wieder vergangenen Freitag!

Einladung zur Vernissage des Malers Gustav Haase in Ans Taxi Netz, Bülowstraße 11 in Schöneberg. Aha?

Dass es in der Potsdamerstraße um die Ecke diverse Galerien gibt, und zwei spannende Neueröffnungen für nächste Woche dort anstehen, wusste ich ja. Aber in der Bülowstraße? In einem Taxiladen?

Kunst an ungewöhnlichen Orten hat ja immer was. Sollen sich doch vorerst Andere  die Beine vor dem Bode Museum in den Bauch stehen, um Gesichter der Renaissance zu sehen. Obwohl sie dort ja jetzt anscheinend das desolate Ticketsystem in den Griff bekommen haben und die Öffnungszeiten verlängert wurden. Für Botticelli, Leonardo da Vinci und Co. ist ja noch bis November Zeit.

Der Geschäftsführer von Ans Taxi Netz, Engür Sastimdur, ist Kunstliebhaber und mit allen Malern, die er in seinen Räumlichkeiten ausstellt, persönlich bekannt. Außerdem ist er selber eine faszinierende und charismatische Persönlichkeit, die zum Teil den großen Andrang am Freitagabend erklärt. Neben den sehr sehenswerten Berlin Bildern von Gustav Haase, versteht sich.

Ich war noch nie auf einer derart entspannten Vernissage mit so vielen angenehmen Besuchern. Menschen jeden Alters (Gustav Haase ist Mitte 60), alle ungekünstelt und locker. Es gab weder den unsäglichen Prosecco, noch den ach-so-angesagten  Aperol-Sprizz und kein schickes fingerfood.

Sondern ganz bodenständig Wein und Wasser. Außerdem Salzbrezeln. Und zu später Stunde dann Pflaumen, die irgendjemand aus seinem Garten mitgebracht hatte. Köstlich!

Gegen halb elf hielt eine etwas ramponierte Strechlimousine in zweiter Reihe und hinaus sprangen schöne Frauen in kurzen Röcken und Pelz sowie adrett heraus geputzte Männer. Eine Geburtstagsgesellschaft. Sie blieben auf einen Plausch, einen Drink, schauten sich Gustav Haases Bilder an und entschwanden dann wieder in die Nacht.

Engür umarmte zum Abschied einen der Männer herzlich mit einem „Bis morgen, dann“.

Auf meine Frage, wer das denn gewesen sei, antwortete er: „Mein mongolischer Putzmann. Er ist heute Nacht mit seiner mongolischen Community unterwegs, morgen früh macht er wieder hier sauber.“

Einzigartiges Berlin!

Zu Engürs Vernissagen gehören normalerweise immer noch kurze Auftritte anderer Künstler, wie er mir erzählte. Tänzerische Darbietungen beispielsweise, gerne auch Lesungen.

Beim nächsten Mal, in ca. drei Monaten, möchte er gerne „Die Unerhörten“ dabei haben. Das war dann noch das Sahnehäubchen dieser ganz besonders schönen Berliner Nacht.

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